Mittlerweile bin ich zurück in Köln und versuche mich wieder an das normale Leben zu gewöhnen. Für meinen letzten Blogeintrag habe ich mir noch ein Resümee vorgenommen. Also, los geht´s:
Zunächst einmal ist China (zumindest Peking uns Shanghai, mehr hab ich ja kaum gesehen) wesentlich moderner als ich angenommen habe. Ich hatte wesentlich mehr Armut und Chaos erwartet. Stattdessen gibt es dort eine moderne U-Bahn, es liegt kein Müll auf den Straßen, alles ist aufgeräumt und organisiert und auch die Verständigung in Englisch hat irgendwie geklappt.
Die Chinesen habe ich als sehr freundlich und bemüht empfunden. Es gab niemals einen Augenblick, in dem ich mich bedroht oder nicht willkommen gefühlt habe. Diejenigen, die ich persönlich kennengelernt habe, waren entgegen meiner Erwartung aufgeschlossen und unheimlich nett . Es gibt zwar Gesprächsthemen, die man eher vermeiden sollte, aber auch hier habe ich gelernt, dass die Chinesen über solche Themen sehr differenziert und kritisch diskutieren können, sobald man eine etwas vertrauensvollere Beziehung aufgebaut hat. Darüber hinaus verhindert auch die fehlende Pressefreiheit nicht, dass sich Chinesen umfassend informieren können wenn sie das wollen.
Diesbezüglich fand ich es sehr interessant zu bemerken, dass eine einseitige Berichterstattung auch in demokratischen Ländern nicht ausgeschlossen ist. Während ich die olympischen Speile vor Ort erlebt habe, musste ich mich doch manchmal über die deutsche Berichterstattung wundern. Es scheint so, als ob es in deutschen Zeitungen (und nicht nur in Deutschland) vor allem darum ging, die negativen Seiten zu betonen. In einer freien Presse gibt es anscheinend Anreize zu schreiben, was der Leser hören will und das kann die Wahrheit zumindest verzerren.
Das kommunistische System habe ich als Ärgernis empfunden, zumal sich die Philosophie des Gemeinschaftsdenkens bis weit in den privaten Bereich zieht. Lehrer überprüfen ihre Schüler auf Gesinnungstreue und kritische Aussagen und Anders Denken werden dokumentiert und berichtet. Das führt dazu, dass man sich schon nach einigen Tagen selbst dabei ertappt, bestimmte Gedanken nicht auszusprechen. Anscheinend haben sich die Chinesen mit diesem System angefreundet (oder wurden schlicht so erzogen). Entweder habe ich auf kritische Nachfragen die offizielle Standardantwort gekriegt, an die ohnehin niemand ernsthaft glauben kann (Bsp: Nein, in Peking gibt es keine schlechte Luft, wir haben nur sehr oft Nebel) oder man hat mir im Vertrauten die Meinung gesagt.
Insgesamt scheint die Auffassung der Chinesen eher zu sein, dass der Kommunismus ein notwendiges Übel ist, ohne das die immense wirtschaftliche Entwicklung des Landes in den letzten 30 Jahren wesentlich langsamer verlaufen wäre. Im Fall von China spricht meiner Meinung nach sogar einiges dafür, dass eine zentrale Planung diesen Prozess positiv beeinflusst hat. Die Kehrseite dieser Politik besteht allerdings darin, dass man Dinge, die das angestrebte Ziel zu behindern drohen, wesentlich leichter beseitigen kann. Umsiedlungen einiger Millionen Menschen zum Bau des 3-Schluchten Staudamms bis zur Verschleppung von Demonstranten und Andersdenkenden werden oftmals als notwendiges Übel angesehen, um das gesellschaftliche Fortkommen zu optimieren.
Insgesamt erscheint es mir, als ob Deutschland und China mit ihrem politischen Systemen einfach eine unterschiedliche Antwort auf die Frage gegeben haben, wie das optimale Verhältnis zwischen Persönlichkeitsrechten und nationalen Interessen aussehen sollte. Ob diese Einschätzung zutrifft kann ich nicht wirklich sagen, allerdings haben die meisten meiner Gesprächspartner ihr politisches System genau damit verteidigt, dass das Fortkommen der Nation letztlich jedem zugute kommt.
Obwohl ich nur einen kleinen Ausschnitt von China kennengelernt habe und auch sicher nicht behaupten kann, einen repräsentativen Überblick bekommen zu haben, hat mir diese Erfahrung gezeigt, dass China ein sehr interessantes Land ist, in das ich sicher noch einmal zurückkehren werde.




























