Wieder zurück.  Verfasst: Dienstag, den 02. September 2008 13:36

Blog von chinamann :Chinamann in Peking, 2008, Wieder zurück.

Mittlerweile bin ich zurück in Köln und versuche mich wieder an das normale Leben zu gewöhnen. Für meinen letzten Blogeintrag habe ich mir noch ein Resümee vorgenommen. Also, los geht´s:

Zunächst einmal ist China (zumindest Peking uns Shanghai, mehr hab ich ja kaum gesehen) wesentlich moderner als ich angenommen habe. Ich hatte wesentlich mehr Armut und Chaos erwartet. Stattdessen gibt es dort eine moderne U-Bahn, es liegt kein Müll auf den Straßen, alles ist aufgeräumt und organisiert und auch die Verständigung in Englisch hat irgendwie geklappt.

Die Chinesen habe ich als sehr freundlich und bemüht empfunden. Es gab niemals einen Augenblick, in dem ich mich bedroht oder nicht willkommen gefühlt habe. Diejenigen, die ich persönlich kennengelernt habe, waren entgegen meiner Erwartung aufgeschlossen und unheimlich nett . Es gibt zwar Gesprächsthemen, die man eher vermeiden sollte, aber auch hier habe ich gelernt, dass die Chinesen über solche Themen sehr differenziert und kritisch diskutieren können, sobald man eine etwas vertrauensvollere Beziehung aufgebaut hat. Darüber hinaus verhindert auch die fehlende Pressefreiheit nicht, dass sich Chinesen umfassend informieren können wenn sie das wollen.

Diesbezüglich fand ich es sehr interessant zu bemerken, dass eine einseitige Berichterstattung auch in demokratischen Ländern nicht ausgeschlossen ist. Während ich die olympischen Speile vor Ort erlebt habe, musste ich mich doch manchmal über die deutsche Berichterstattung wundern. Es scheint so, als ob es in deutschen Zeitungen (und nicht nur in Deutschland) vor allem darum ging, die negativen Seiten zu betonen. In einer freien Presse gibt es anscheinend Anreize zu schreiben, was der Leser hören will und das kann die Wahrheit zumindest verzerren.

Das kommunistische System habe ich als Ärgernis empfunden, zumal sich die Philosophie des Gemeinschaftsdenkens bis weit in den privaten Bereich zieht. Lehrer überprüfen ihre Schüler auf Gesinnungstreue und kritische Aussagen und Anders Denken werden dokumentiert und berichtet. Das führt dazu, dass man sich schon nach einigen Tagen selbst dabei ertappt, bestimmte Gedanken nicht auszusprechen. Anscheinend haben sich die Chinesen mit diesem System angefreundet (oder wurden schlicht so erzogen). Entweder habe ich auf kritische Nachfragen die offizielle Standardantwort gekriegt, an die ohnehin niemand ernsthaft glauben kann (Bsp: Nein, in Peking gibt es keine schlechte Luft, wir haben nur sehr oft Nebel) oder man hat mir im Vertrauten die Meinung gesagt.

Insgesamt scheint die Auffassung der Chinesen eher zu sein, dass der Kommunismus ein notwendiges Übel ist, ohne das die immense wirtschaftliche Entwicklung des Landes in den letzten 30 Jahren wesentlich langsamer verlaufen wäre. Im Fall von China spricht meiner Meinung nach sogar einiges dafür, dass eine zentrale Planung diesen Prozess positiv beeinflusst hat. Die Kehrseite dieser Politik besteht allerdings darin, dass man Dinge, die das angestrebte Ziel zu behindern drohen, wesentlich leichter beseitigen kann. Umsiedlungen einiger Millionen Menschen zum Bau des 3-Schluchten Staudamms bis zur Verschleppung von Demonstranten und Andersdenkenden werden oftmals als notwendiges Übel angesehen, um das gesellschaftliche Fortkommen zu optimieren.

Insgesamt erscheint es mir, als ob Deutschland und China mit ihrem politischen Systemen einfach eine unterschiedliche Antwort auf die Frage gegeben haben, wie das optimale Verhältnis zwischen Persönlichkeitsrechten und nationalen Interessen aussehen sollte. Ob diese Einschätzung zutrifft kann ich nicht wirklich sagen, allerdings haben die meisten meiner Gesprächspartner ihr politisches System genau damit verteidigt, dass das Fortkommen der Nation letztlich jedem zugute kommt.

Obwohl ich nur einen kleinen Ausschnitt von China kennengelernt habe und auch sicher nicht behaupten kann, einen repräsentativen Überblick bekommen zu haben, hat mir diese Erfahrung gezeigt, dass China ein sehr interessantes Land ist, in das ich sicher noch einmal zurückkehren werde.

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Die große Mauer  Verfasst: Sonntag, den 24. August 2008 05:33

Blog von chinamann :Chinamann in Peking, 2008, Die große Mauer

Aus einem Land mit einer großen Mauertradition kommend, versteht es sich von selbst, dass auch ich mir auch das Original, die große chinesische Mauer, angeschaut habe. Es ist sicherlich nicht übertrieben zu behaupten, dass die Chinesen dabei ganze Arbeit geleistet haben und das ehemalige deutsche Mäuerchen bei weitem übertroffen haben.

Dementsprechend beeindruckt war ich beim Anblick und beim Besteigen der Mauer, allerdings stellt sich mir die Frage, warum man solche Mauern eigentlich baut und im Fall der chinesischen Mauer frage ich mich besonders, ob das wohl effizient war. Heutzutage wird davon ausgegangen, dass die Mauer über 5700km lang war, d.h. die gesamte Nordwestseite Chinas war zugemauert. Bei einer 6-9 Meter hohen Mauer ist das ein ganz schöner Aufwand.

 

 Dazu kommt noch, dass die Mauer wohl größtenteils in einem Gelände steht, dass ziemlich unwegbar ist, vielleicht hätte man da sein Territorium auch leichter verteidigen können? Weiterhin fällt auf, dass die Mauer ziemlich viele Kurven macht und nicht einfach gerade durch die Landschaft gebaut wurde. Zumindest das kann ich noch verstehen, denn in die Mauer waren ca. 25.000 Aussichts- und Verteidigungstürme integriert. Folglich hat man die Mauer jeweils von Gipfel zu Gipfel gebaut, weil dort nun mal die besten Aussichtspositionen sind.

Dann frage ich mich natürlich weiter, ob mal jemand daran gedacht hat, dass sich die chinesische Nordgrenze ja auch verschieben könnte. Ich meine, wenn die Chinesen expandieren wollten, hätten sie dann eine neue Mauer gebaut? Wie dem auch sei, es war ein großartiger Ausflug, der uns sehr viel Spaß gemacht hat. Die chinesische Mauer ist ein sehr beeindruckendes und faszinierendes Bauwerk und die Landschaft ist traumhaft. Obwohl ich also nicht so ganz einsehen kann, dass der Mauerbau ein kluger Schachzug war, freue ich mich trotzdem, dass ich einen Tag dort verbringen durfte.

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Kurzmeldung  Verfasst: Samstag, den 23. August 2008 05:47

Mittlerweile ist schon Samstag und gleich werden wir endlich zur großen Mauer fahren. Das Wetter ist super und die Sicht ist ausgezeichnet, so wie man es sich wünscht. Donnerstag hat es noch in Strömen geregnet, so dass wir nicht so recht wussten, was wir tun sollen. Deshalb bin ich nach langem Palaver mit Stefan schließlich allein in den Zoo gefahren und war vor allem von dem riesigen Aquarium beeindruckt.

 

 

Laut Aushang soll es das größte der Welt sein, was ich nicht so ganz glauben mag. Immerhin habe ich aber Haie und Riesenschildkröten gesehen, was mich sehr gefreut hat.

 

Danach habe ich mich noch mit Martin getroffen und beim Bummeln sind wir zufällig meiner Chinesisch Lehrerin begegnet, die es sich natürlich nicht hat nehmen lassen, sich ausschließlich auf chinesisch mit mir zu unterhalten. Dabei habe ich vermutlich nicht so eine gute Form gemacht, immerhin konnte ich ihr erklären, dass Martin mein großer Bruder ist.

 

Gestern war ich mit Nadine in der Künstlerkolonie von Peking. Obwohl ich anfangs dachte, dass mich so etwas nicht wirklich interessieren würde, haben wir den gesamten Nachmittag dort verbracht und viel Spaß gehabt.

 

Irgendwie ist man schon überrascht zu sehen, dass Peking eine ziemlich innovative und kreative Kunstszene hat.

 

Das passt irgendwie nicht so ganz zu dem Bild, dass ich anfangs von China hatte. Das war mal meine Kurzmeldung für heute. Jetzt muss ich mich beeilen zur Mauer zu kommen.

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Turmspringen  Verfasst: Mittwoch, den 20. August 2008 17:41

Gestern war ich endlich bei den olympischen Spielen. Ich habe mir zusammen mit meiner Tandem Partnerin und ein paar anderen Leuten aus unserer Gruppe das Halbfinale im Turmspringen der Männer angeschaut, bei dem es zunächst für die Deutschen ganz gut aussah. Letztendlich haben sich auch beide Deutsche für das Finale qualifiziert, was dann bekanntermaßen ohne deutsche Medaille ausging.

 

 

Naja, immerhin ist das Schwimmstadion wirklich sehr beeindruckend.

 

Mittlerweile hat sich die Smogsituation in Peking sehr zum Guten gewandelt und wie man auf den Bildern vielleicht sehen kann, hatten wir beim anschließenden Rundgang über das Olympic Green einen super blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein. Mit ungehinderter Sichtweite sieht Peking auch viel toller aus…

 

 

Am Nachmittag war ich mit Miqi (meine Tandem-Partnerin) Monika und Lucy (Mädels aus meiner Gruppe) erst in einem Hutong und anschließend im Bei Hei Park, wo wir die weiße Pagode besucht haben. Das war sehr nett und entspannend.

 

Auf der Suche nach einem leckeren Abendessen haben Monika und ich dann noch einige ursprüngliche Ecken von Peking entdeckt.

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Shanghai  Verfasst: Montag, den 18. August 2008 18:37

Blog von chinamann :Chinamann in Peking, 2008, Shanghai

Tja, die kulturellen Sehenswürdigkeiten von Shanghai sind bei weitem nicht so vielfältig, wie die von Peking. Wir haben sogar eine russisch-orthodoxe Kirche angeschaut, weil es ansonsten nichts besonders attraktives zu besichtigen gab. Naja, immerhin hat Shanghai noch ein französisches Viertel und eine relativ nette Altstadt.

 

 

Vor allem zeichnet sich die Stadt aber durch ihre Wolkenkratzer aus. Weil ich außer in Frankfurt noch nie eine richtige Hochhaus-Skyline erlebt habe, fand ich das besonders interessant.

 

Unser erstes Frühstück haben wir dann auch gleich mal im 54. Stock des Hyatt Shanghai genossen.

 

Das Hyatt liegt im 54.-88. Stock des 421 Meter hohen Jin Mao Tower, dem höchsten Gebäude Chinas.

 

Von dort hat man einen guten Überblick über die anderen Wolkenkratzer der Nachbarschaft

 

und auch über den 468 Meter hohen Oriental Pearl Tower (das ist ein Fernsehturm und wird deshalb nicht als Gebäude gewertet – der Turm ist das Wahrzeichen der Stadt und das höchste Bauwerk Chinas).

 

Die Kulisse ist sehr beeindruckend und das Frühstück wirklich lecker, also ladet ruhig mal Eure Liebste zum Frühstück nach Shanghai ein, das ist romantisch und mal was anderes ;-)

 

Ansonsten kann man in Shanghai noch super shoppen gehen und auch das Nachtleben ist impulsiver als in Peking. Mir persönlich gefällt aber Peking besser, denn obwohl Shanghai die größte chinesische Stadt mit 18,4 Millionen Einwohnern ist, merkt man doch irgendwie, dass das ehemalige Fischerdorf nur durch die vielen Unternehmen so groß geworden ist.

 

Leider haben wir es nicht mehr geschafft, den Hafen zu besuchen. Ein Drittel der Importe gelangen über den Shanghaier Hafen nach China. Eigentlich hätte ich mir diesen riesigen Hochseehafen gerne angeschaut, der liegt allerdings recht weit außerhalb.

 

Die jeweils 12stündigen Zugfahrten (Hinfahrt 1. Klasse – Rückfahrt 2. Klasse) waren sehr gut und vor allem auf der Rückfahrt hatte ich das Gefühl, China mal richtig zu erleben. Komischerweise konnte ich beide Male sehr gut schlafen, obwohl unsere chinesischen Abteilgenossen auf der Rückfahrt die ganze Nacht lautstark Karten gespielt haben.

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